Fahrt nach Maastricht
Chronik der SENU-Ndk
Die Senioren-Union erkundet Maastricht, die Hauptstadt der Provinz Limburg
(GB) Maastricht gilt als die älteste Stadt der Niederlande. Die wechselvolle Geschichte der Stadt reicht bis zu einer keltischen Siedlung um 700 v. Chr. zurück. Namensgebend für die Stadtgründung ist die Bezeichnung Mosa Trajectum (Überquerung der Maas). Die strategisch günstige Lage an einer Furt veranlasste die Römer, hier eine Holzbrücke und später ein Castrum mit einem Castell zu errichten. Als Cäsar 55 v. Chr. die Eroberung von Britannia plante, nutzte er bereits den Maasübergang auf seinem Marsch zur Küste.
Im Mittelalter wurde Maastricht eine Garnisonsstadt von strategischer Bedeutung. Hiervon zeugen noch heute die Reste der wehrhaften Stadtmauer von 1229, in deren Schutz sich Maastricht an der alten Route „Via Belcica“ zu einem blühenden Handelszentrum für Leder und Tuche entwickelte. Die Kleine Stokstraat war damals eine lebhafte Straße, in der viele Händler lebten. Sie genoss einen zweifelhaften Ruf wegen der zahlreichen Bordelle. In einem der Häuser in der Stokstraat wurde 1884 Peter Debye als Sohn armer Eltern geboren. Eine Prostituierte erkannte die außergewöhnliche Begabung des Jungen und finanzierte seine akademische Ausbildung. 1936 erhielt Debye den Nobelpreis für Chemie.
Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte die Stockstraße eine Blütezeit, da hier die reiche Bourgeoisie große Herrenhäuser errichtete. Während der Industriellen Revolution drängten Landbewohner in die Stadt. Die wohlhabenden Bürger mussten das Viertel verlassen, da ihre Häuser der armen Bevölkerung als Sozialwohnungen zugewiesen wurden. Mit der Verarmung setzte auch der Verfall ein. Nach gründlicher Renovierung präsentiert sich die Stockstraat heute als Mittelpunkt von einem der elegantesten Stadtviertel, bekannt für seine historischen Fassaden und exklusiven Modeboutiquen. Hier befindet sich auch das Atelier von Königin Maximas bevorzugtem Modeschöpfer.
Im Stokstraatkwartier erhebt sich die ehemalige Wallfahrtskirche „Unserer Lieben Frau“. Die Basilika ist berühmt für ihre beeindruckende romanische Architektur und als Zeugnis für die Funktion der mittelalterlichen Stadt als religiöses Zentrum. Mitten im Viertel wurde auf dem intimen Platz „Op de Thermen“ ein römisches Bad aus dem 2. und 3. Jahrhundert freigelegt, dessen Umrisse heute durch ein dunkles Pflaster markiert werden. Ebenfalls in dem Viertel steht die Statue „Mestreechter Geis“. Die Figur spiegelt die Identität Maastrichts und den Charakter seiner Bewohner wider – lebendig, einladend und voller Witz. Sie lieben das Leben, die Arbeit haben sie allerdings nicht erfunden – so unser Gästeführer.
Das Jekerk-Viertel bezaubert durch seine romantischen Gassen und Plätze entlang des Jekerflusses. In der Fischerstraße, wo die arme Bevölkerung wohnte, wurde an jedem Freitag für die Armenspeisung in der Mitte der Straße ein langer Tisch aufgebaut. In diesem Viertel befindet sich „De Bisschopsmolen“ aus dem 11. Jahrhundert. Sie war im Besitz des Fürstbischofs von Lüttich. In der historischen Wassermühle wird heute noch Dinkel gemahlen und in der Bäckerei nebenan der typische Vlaai auf traditionelle Weise gebacken.
In einer ehemaligen Dominikanerkirche aus dem 13. Jahrhundert befindet sich eine der faszinierendsten Buchhandlungen der Welt: die „Buchhandlung Dominicanen“.Gegründet von Bettelmönchen, diente die Dominikaner-Kirche fast 500 Jahre als Gotteshaus. In napoleonischer Zeit verlor sie ihre religiöse Funktion. Seit 2006 wird die entweihte Kirche als Buchhandlung genutzt. Die modernen Einbauten sind auf drei Etagen begehbar und fügen sich harmonisch in die romanischen Strukturen ein.
Der Stadtrundgang endete auf dem Großen Markt. Mitten auf dem lebhaften Zentrum von Maastricht präsentiert sich das Rathaus als ein beeindruckendes Beispiel des niederländischen Klassizismus mit seiner majestätischen Fassade und dem eleganten Glockenturm, dessen 49 Glocken regelmäßig gespielt werden. Stadtherren von Maastricht waren damals der Fürstbischof von Lüttich und der Herzog von Brabant. Die doppelte Verwaltung erforderte einen zentralen Ort. Damit die Stellvertreter der Stadtherren gleichzeitig und gleichberechtigt das Rathaus betreten konnten, wurde dem Gebäude eine zweiflügelige Treppenanlage vorgelagert. Damals wie heute symbolisiert das Rathaus als Sitz der städtischen Macht und Verwaltung den Reichtum der Stadt und den Wohlstand seiner Bürger. Und auch heute spielt die Hauptstadt der Provinz Limburg eine wichtige Rolle in der europäischen Geschichte. Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Maastricht 1992 wurde durch die Einführung des Euro die Grundlage für das Zusammenwachsen Europas gelegt. Seitdem sind in Maastricht 21 verschiedene internationale Institute ansässig.
Nach so viel Kultur und Geschichte verteilten sich die 33 Teilnehmenden auf die zahlreichen Restaurants rund um den Markt und genossen die leckeren regionalen Speisen. Mit zahlreichen neuen Eindrücken traten wir die Heimfahrt an.
Interessenten an den Unternehmungen der Senioren-Union Ndk können sich gerne unter g.beck@senu-ndk.de informieren.